kalarahu /installation //papier, tusche, filzstift, wachs, sisal, holz, vogelfedern, silikon
der unsterbliche dämon kalarahu frisst regelmäßig den mond auf. da der teufel aber nur einen kopf hat fällt der mond unten wieder heraus und nimmt erneut seinen platz am himmel ein. kalarahu handelt aus rache und ewige missgunst. die niedertracht der lüge. schwarzer streifen auf der nase.
der monsterkopf kalarahu kommt aus einer hinduistische legende. portraitmaler sprechen manchmal davon, wie sie immer wieder beobachten, dass bei ihren modellen etwas seltsames aus dem mundwinkel heraushängt, gar tropft. etwas unleugbares: etwas wie böswill. ich habe die geschichte kalarahu erstmals im sommer diesen jahres im tropenmuseum amsterdams gelesen. von dort begann mein plan im brückenturm von erpel eine installation einzurichten, wo in einem kleinen raum ein kopf in entrückter ferne schweben soll. die dunkel gemauert gewinkelte kammer im ersten obergeschoss ist nun zur hälfte mit papier überzogen. eine tapete, die locker vor der wand hängt, als hätte der alte abbröckelnde putz seine haut abgezogen. aus einem ausgeschnittenen loch in dieser papierhaut blickt ein kleines gesicht hervor. es wird fast wohnlich im der nische: wiedergeboren. soweit der hintergrund.
an der weißen papierkante stehen auf tischsockeln drei weitere köpfe: bärbel mit dem langen haar, erdmuth mit dem spuckenden mund und lutz, der blut schwitzt.
die drei sind unversöhnlich und unerklärlich aufgetakelt, mit federn und alten mallappen und so. das material ist dahergelaufen. du siehst mitgenommen aus. sie stehen wie gestirne im keller. es gibt keinen bezug zwischen ihnen, keinen dialog unter ihnen, soll auch nicht, auch kein ästhetischer. kein übergeordnetes moment. eine psychologische deutung interessiert mich nicht. sie stehen in ihrem bild. sie sind ein bild. wie das motiv getrennt von der leinwand. das große papier ist bloß grundiert und leer. die gestirne (warum steckt hier das wort stirn drin?): die gesichter von sonne, mond und all’ die anderen schweben isoliert im weiten himmelsazur. wie losgelassene gedankensplitter. wie ausgesetzte versprechungen. versprech dich doch! ich kannte einmal eine kranke frau, die hatte große sorge, ihre prächtigen haare zu verlieren, wegen der medikamente, die sie nehmen musste.
kalarahu
der einstige kampf zwischen den göttern und den dämonen um den nektar, der unsterblich macht, wurde von den göttern gewonnen. jedoch gelang es kalarahu, einem der dämonen, einen kleinen tropfen davon zu naschen. die sonne und der mond entdeckten ihn. krishna war zornig. augenblicklich schlug vishnu, der hindugott, dem teufel den kopf ab, noch bevor der den balsam hinunterschlucken konnte. doch kalarahu war bereits unsterblich. somit wurde der kopf in den himmel platziert, zwischen die planeten und die sterne. der monsterkopf tobte. seit dem versucht kalarahu gelegentlich rache zu nehmen in dem er die sonne oder den mond beisst. dadurch entsteht die sonnen- und mondfinsternis.
andreas reichel /bonn
//malerei und installation. werkkomplexe: „reichsapfelsaftkunde“ /ein visuelles laboratorium. „die bibliothek der ockerrücken“ /künstlerbücher und objekte. “sätze gegen meine gehörlose wiese“ /lyrik edition. //zahlreiche ausstellungen im in- und ausland. künstlerische leitung des loc – programms mit afrikanischen künstlern. professor für malerei an der alanus hochschule in alfter /bonn
//andreichel@gmx.de //www.andreichel.de